Sonntag, 12.07.2026 15:11 Uhr

Gott oder der Mammon

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Paderborn, 12.07.2026, 10:21 Uhr
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Paderborn [ENA] In seiner 12. Sommervorlesung 2026 der Reihe 'Wege zur Bergpredigt' deutet der Theologe, Psychotherapeut und Schriftsteller Dr. Eugen Drewermann u.a. die Bedeutung des Ausspruchs Jesu "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" (Mt 6,24). Psychologisch sei das Geld u.a "eine magische, fetische Form des Suchtcharakters", um Minderwertigkeitsgefühle durch eine Aufblähung des Ich zu kompensieren.

Das Geld sei die Religion bzw. der Gott unserer Zeit, so die zentrale kritische These des Theologen. Die Bergpredigt enthält die Erlösung von diesem Fehlverhältnis. Eugen Drewermann arbeitet in seiner Vorlesung "Gott oder Mammon" heraus, dass das Geld u.a. dazu dient, Minderwertigkeitsgefühle durch die Aufblähung des Ichs zu kompensieren, indem das Geld es möglich macht, durch Käufe sein Ich ins Illusorische hin aufzuwerten und durch Besitz zu festigen. Haben steht damit über Sein.

"Geld ist Schuld", folgert Eugen Drewermann am Ende seines Exkurses zur Entstehung des Geldes und setzt seine kritische Betrachtung fort, "und das hat man in Mesopotamien schon früh erkannt. Schon 2000 v. Chr., lange bevor das Mosaische Gesetz die Zinsnahme verboten hat, hat man in Mesopotamien gefunden, dass jede Gesellschaft, wenn erst einmal Geld eingeführt wird, auseinanderdriftet und keinen Bestand haben kann, weil die Reichen da oben immer mehr Geld haben werden und die da unten immer weniger. Der Reichtum blüht durch Verarmung der Ausgebeuteten."

"Wann lernen denn wir, dass es Eigentum überhaupt nicht gibt. Alles, was uns gehört, ist ein geliehenes Gut zum Weitergeben; ein Geschenk des Himmels. 'Unser Leib', 'unser Leben' - haben wir darauf einen Anspruch? Haben wir das gemacht? Ist das unser Verdienst? Sie werden einwenden: 'Ja, das ist mein Verdienst! Ich habe das Geld in meiner Hosentasche ehrlich verdient. Ich habe immer Steuern gezahlt! Ich habe nie gelogen und betrogen!' Mag ja so sein, aber schon wenn Sie redlich arbeiten konnten, wenn Sie genug Bildung hatten, um einen ordentlichen Arbeitsplatz zu finden, waren Sie bevorzugt mithilfe von Verdiensten, die Sie nicht erworben haben, sondern geschenkmäßig übernehmen konnten."

"Sie sind in einer Familie zur Welt gekommen, in der Bildung möglich war. [...] Wir können lernen, das das, was wir Eigentum nennen kein eigenes Verdienst ist, sondern eigentlich ein Geschenk der Umstände, unter denen wir aufwachsen durften. Wir haben unsere Eltern nicht ausgesucht, auch unser Genmaterial, ob da Erbschäden drin sind, nicht bestimmen können. Wir hatten das Glück einigermaßen gesund auf die Welt zu kommen. Wir hatten das Glück eine Familie zu finden, in der wir einigermaßen geordnet aufwachsen durften. [...]"

"Aber was das Neue Testament im Namen des Matthäus in den Worten Jesu dagegen setzen möchte, ist ein völlig anderes Verständnis: Das Geld, das wir in der Tasche zu haben meinen, ist nicht unser Verdienst, nie unser Eigentum, sondern ein Geschenk des Himmels an die Armut, die wir sind. [...] Wir vergötzen das Geld und machen es zum Gott. Und das müssen wir tun, weil wir keine Ahnung haben, was wir verbinden, wenn wir sagen: 'Ich Glaube an Gott.' Damit meinen wir einen Schöpfer, der uns geschenkt hat, dass es uns überhaupt gibt. Und dann besteht unser Leben darin, das Geschenk unseres Daseins möglichst vielen weiterzuschenken."

Link zur 12. Sommervorlesung: https://youtu.be/pBfBbHHayGM?is=xb7sR3wIGVk1-zfc

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