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Friedenskonzert: "Den Frieden gewinnen - nicht den Krieg"

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Stuttgart , 16.05.2024, 23:32 Uhr
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Heike Hänsel von 'Gesellschaft Kultur des Friedens', Organisatorin und Moderatorin des Friedenskonzertes

Stuttgart [ENA] In Stuttgart fand am Dienstag, 14. Mai 2024, ein Friedenskonzert unter dem Motto: "Den Frieden gewinnen - nicht den Krieg" statt. Konstantin Wecker sang: "Lasst uns lieben und besiegen wir den Hass durch Zärtlichkeit" und entzündete damit in der Johanneskirche am Feuersee den Geist aus dem Johannes-Evangelium 14,27. Margot Käßman erinnerte alle an die wahre, eigentliche Zeitenwende: "Steck das Schwert an seinen Ort!"

Das Friedenskonzert in der Stuttgarter Johanneskirche am Feuersee am Abend des 14. Mai 2024 hatte mehrere Anlässe. Die "Gesellschaft Kultur des Friedens" aus Tübingen, Veranstalter des Konzerts, gedachte einerseits ihres vor zwei Jahren verstorbenen Gründers Henning Zierock und setzte außerdem ganz im Geiste seines Gründers der massiv fortschreitenden Militarisierung im Denken und politischen Handeln in der BRD ein entschiedenes Nein entgegen und warb stattdessen für "Friedensfähigkeit" und die Überwindung von Feindbildern. "Wir setzen uns ein für Abrüstung... Im Krieg gibt es nur Verlierer, deshalb fordern wir einen sofortigen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen in Gaza und der Ukraine", betonten die Veranstalter bereits im Aufruf.

Neben dem sehr abwechslungsreichen, auf Völkerverständigung und Versöhnung gestimmten musikalischen Programm, getragen von einem der bedeutendsten deutschen Liedermacher und Pazifisten Konstantin Wecker mit seinem Pianisten Jo Barnikel, dem Tübinger Chor Klangbad (Leitung Ulrich Bürck), Sophia Kalantidou & Theodorakis-Ensemble (Nikos Kalantidis, Nikos Hatziliadis, Dimitris Tsaknis), Gunther Rall sowie weiteren Gästen, gab es auch eine leuchtende Rede von der Theologin und ehemaligen Ratsvorsitzenden der evangelischen Landeskirche in Deutschland Margot Käßmann. Heike Hänsel ('Kultur des Friedens', 'Bündnis Sahra Wagenknecht') moderierte den Abend.

"Die Kirchen dieser Welt sind immer in die Irre gegangen, wenn sie Gewalt legitimiert haben. Im Evangelium findet sich keine Grundlage dafür - hat schon Mahatma Gandhi gesagt. Jesus hat gesagt: 'Steck dein Schwert an seinen Ort!' und noch mehr: 'Liebet eure Feinde!'", hob die evangelische Theologin hervor und sprach damit das aus, was ausgesprochen werden musste, und was die Mehrheit der Christen weltweit, vor allem derjenigen in offiziellen Ämtern, nicht auszusprechen wagt - was einem Verrat an der Botschaft Jesu gleichkommt. Die mutige Pfarrerin antwortete auf die verbalen Angriffe von Politikern - "Teestubenpazifismus" (Volker Beck), "wohlstandsverwöhnt" (Roderich Kiesewetter) - : "Sie werden selber alle nicht in den Krieg ziehen!"

Margot Käßmann sagte ganz in der Tradition von Wolfgang Borchert: Nein! zu dem bayerischen Vorstoß, die Bundeswehr regelmäßig in die Schulen einzuladen; zu dem geheimen Operationsplan Deutschland, wonach die Zivilbevölkerung auf die Unterstützung des Militärs eingestimmt werden soll; zu dem nationalen Veteranentag; zu den um mehr als das Fünffache gestiegenen Aktien von Rheinmetall; zu der Militärübung 'Steadfast Defender', an der 25.000 deutsche Soldaten beteiligt sind; zu den diskutierten EU-Atombomben und zu der perversen ZDF-Kindersendung 'Logo', in der verschiedene Kriegsgeräte um Anerkennung ringen nach dem Motto: 'Wer ist der tollste Marschflugkörper?' Der arme Taurus werde darin bedauert, weil Scholz ihn nicht fliegen lasse.

Die Theologin unterstrich mit aller Entschlossenheit: "Waffen sind keine Lösung, Waffen sind das Problem! Atomwaffen gehören verbannt aus der Menschheitsgeschichte! Wir brauchen auch keine Konzepte von Abschreckung, sondern dringend notwendig sind neue Konzepte für friedliches Zusammenleben auf diesem Planeten! Wir bleiben wach als Friedensbewegung! Unsere Außenministerin hat gesagt: 'Unsere Waffen schützen Leben'. Aber es gibt im Krieg keine guten und schlechten Waffen. Waffen töten schließlich! Es gibt inzwischen hunderttausende Tote in der Ukraine. Wann ist Schluss mit diesem Wahnsinn? Wie lange soll das gehen? Bis zu einer Million?... Nein, jetzt ist Zeit für Waffenstillstand! Sofort!"

Die beiden Lieder 'Eigensinn' und 'Utopia' des Münchner Liedermachers Konstantin Wecker konzentrierten in sich entscheidende Aspekte der Botschaft Jesu: Die aktuelle Realität ist ein Alptraum, sie ist Wahnsinn und Lüge. Nur wenn wir uns endlich trauen, die Träume unserer Herzen für wahr und wirklicher zu nehmen, als das, was wir tagtäglich um uns herum sehen und hören, werden wir imstande sein, in diese Welt, die beherrscht wird von Lüge, Gewalt, Grausamkeit und Krieg eine Sanftheit hineinzutragen, die allein in ihrer Festigung im Vertrauen auf einen absoluten Hintergrund einer ewigen Liebe, das Böse überwinden kann durch Güte. Wecker hat absolut recht, wenn er singt: "Lasst uns lieben und besiegen wir den Hass mit Zärtlichkeit!"

Großer Andrang, Stuttgart, Johanneskirche am Feuersee, 14.05.24
Volle Ränge, Stuttgart, Johanneskirche am Feuersee, 14.05.24
Margot Käßmann, Stuttgart, Johanneskirche am Feuersee, 14.05.24
Konstantin Wecker, Stuttgart, Johanneskirche am Feuersee, 14.05.24
Theodorakis-Ensemble, Stuttgart, Johanneskirche am Feuersee, 14.05.24
Tübinger Chor Klangbad, Stuttgart, Johanneskirche am Feuersee, 14.05.24
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