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Menschen.Machen.Jugendhilfe. – „Viele ......

Verantwortlicher Autor: Landschaftsverband Rheinland Köln, 13.09.2026, 17:49 Uhr
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Köln [ENA] Menschen.Machen.Jugendhilfe. – „Viele Auslandsadoptierte fühlen sich zwischen den Kulturen stehend“. Neue Reihe des LVR-Landesjugendamtes Rheinland startet mit Wolfgang Köhler von der Zentralen Adoptionsstelle / Fachstelle berät und begleitet internationale Adoptionsverfahren / Weitere Einblicke auf den Social-Media-Kanälen des LVR. Wolfgang Köhler leitet die Zentrale Adoptionsstelle beim

LVR-Landesjugendamt Rheinland. Im Interview erklärt er, welche Aufgaben die Fachstelle übernimmt, warum Auslandsadoptionen besondere Anforderungen stellen und weshalb Herkunftsfragen Adoptierte oft auch im Erwachsenenalter beschäftigen. In der ersten Ausgabe der Reihe „Menschen.Machen.Jugendhilfe.“ spricht Wolfgang Köhler über ein Arbeitsfeld, in dem fachliche Verantwortung, rechtliche Fragen und persönliche Lebensgeschichten eng miteinander verbunden sind. Herr Köhler, was macht die Zentrale Adoptionsstelle beim LVR-Landesjugendamt Rheinland konkret? Unsere Aufgaben lassen sich grob in vier Bereiche aufteilen: Wir sind staatliche Auslandsvermittlungsstelle und

Zentrale Behörde im Sinne des Haager Adoptionsübereinkommens für das Rheinland. In dieser Funktion begleiten wir internationale Adoptionsvermittlungsverfahren. Dazu gehört auch die nachgehende Begleitung von Adoptivfamilien und Adoptierten. Außerdem beraten wir die insgesamt 41 Adoptionsvermittlungsstellen öffentlicher und freier Träger im Rheinland fachlich und bieten Fortbildungen für die Adoptionsfachkräfte an. Die Zentrale Adoptionsstelle ist zudem Anerkennungs-, Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für die zehn Adoptionsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft im Rheinland. Und schließlich nehmen wir zu allen gerichtlichen Adoptionsverfahren mit Auslandsbezug gegenüber den rheinischen Familiengerichten fachlich Stellung.

Paare und Einzelpersonen mit Adoptionswunsch haben oft viele Fragen. Was sind typische Themen in der Beratung vor einer Auslandsadoption? Wenn Paare noch nicht auf ein bestimmtes Land festgelegt sind und grundsätzlich eine Auslandsadoption anstreben, hören wir häufig die Frage: Aus welchen Ländern sind die Chancen auf die Vermittlung eines Kindes am größten? Aus Sicht der Bewerberinnen und Bewerber ist diese Frage nachvollziehbar. Sie verkennt aber die bestehenden Realitäten und fachlichen Anforderungen der Auslandsadoption.

Weltweit ist in den letzten zehn Jahren ein starker Rückgang von Auslandsadoptionen zu verzeichnen. In Deutschland wurden in den letzten Jahren bundesweit nur etwa 50 Kinder aus dem Ausland vermittelt. Die Zeiten, in denen einzelne Länder Kinder in großer Zahl ins Ausland vermittelt haben, sind vorbei. Eine internationale Vermittlung kommt nur noch ausnahmsweise in Betracht, insbesondere für Kinder, für die im Herkunftsland keine Lösung gefunden werden kann – etwa aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheits- und Entwicklungsstandes.

Hinzu kommt: Bei Auslandsadoptionen gilt es, die Herkunft und die kulturellen Bezüge des Kindes in das zukünftige Familienleben zu integrieren. Das setzt eine gewisse Affinität der Bewerberinnen und Bewerber zu diesen Bezügen voraus. Ebenso wichtig ist eine Auseinandersetzung mit der sozialen Situation im Herkunftsland des Kindes. Deshalb ist es wichtig, dass Bewerberinnen und Bewerber für sich prüfen, aus welchem kulturellen und sozialen Kontext sie sich vorstellen können, ein Kind aufzunehmen.

Was wird aus Ihrer Sicht häufig unterschätzt, wenn Menschen über Auslandsadoption sprechen? Oft wird unterschätzt, dass Kinder, die aus dem Ausland adoptiert werden, im Hinblick auf ihre Identitätsentwicklung große Herausforderungen zu bewältigen haben. Die Kinder wachsen in Deutschland auf, erlernen hier im Alltag sehr schnell die Sprache sowie entsprechende kulturelle Orientierungen, und entwickeln ein Gefühl der Zugehörigkeit. Gleichzeitig nehmen sie wahr, dass sie äußerlich anders aussehen als viele Menschen in ihrem Umfeld und von ihrer Umwelt auch so wahrgenommen werden. Häufig kommt es dadurch zu Diskriminierungserfahrungen,

die die Kinder in ihren Selbstbild und ihrem Zugehörigkeitsgefühl verunsichern können. Deshalb müssen Adoptivfamilien die Kinder darin stärken, mit Fremdzuschreibungen und Diskriminierung selbstbewusst umzugehen. Viele Auslandsadoptierte stehen auch noch im Erwachsenenalter vor der Herausforderung, die unterschiedlichen biografischen und kulturellen Bezüge miteinander zu verbinden und fragen sich, wer sie eigentlich sind und was sie ausmacht. Hinzu kommt, dass gerade bei Adoptionen aus dem Ausland die Betroffenen oft nur sehr wenig über ihre leiblichen Eltern und über die Gründe, die zu einer internationalen Adoptionsfreigabe geführt haben, wissen.

Auch die Möglichkeiten, im Ausland nach den Herkunftseltern zu suchen, sind sehr eingeschränkt. Dadurch bleiben für die Identitätsentwicklung wichtige Fragen unbeantwortet, und die Betroffenen bleiben ein Stück weit auf der Suche nach ihrem individuellen Ich. Oft wird unterschätzt, dass Kinder, die aus dem Ausland adoptiert werden, im Hinblick auf ihre Identitätsentwicklung große Herausforderungen zu bewältigen haben. Leiter der Zentralen Adoptionsstelle im LVR-Landesjugendamt Rheinland, Wolfgang Köhler.

Bei Adoptionen spielen rechtliche, psychologische und pädagogische Fragen zusammen. Warum braucht es diesen interdisziplinären Blick? Eine Adoption betrifft das Kind, die abgebenden Eltern und die annehmenden Eltern dauerhaft und berührt ihre gesamte Lebenssituation. Sie verbindet rechtliche, psychologische und pädagogische Aspekte. Die rechtliche Perspektive stellt sicher, dass das Kindeswohl gewahrt wird, die Voraussetzungen für eine Adoption erfüllt sind und die Rechte des Kindes,

der leiblichen Eltern und der Adoptiveltern berücksichtigt werden. Die pädagogische Perspektive ist wichtig, wenn es um die Unterstützung bei der Erziehung des Kindes geht, um seine Integration in die neue Familie und um den Umgang mit besonderen Bedürfnissen, die sich aus einer Adoption ergeben können. Die psychologische Perspektive berücksichtigt unter anderem die Eignung der Adoptiveltern, die Verarbeitung von Verlust und Trauer bei den leiblichen Eltern, die Trennungserfahrungen des Kindes, mögliche Traumata und deren Bewältigung sowie Fragen der Identitätsentwicklung. Es braucht das Zusammenspiel aller drei Perspektiven, damit eine Adoption gelingen kann.

Adoption endet nicht mit der Vermittlung oder dem Gerichtsbeschluss. Warum ist die nachgehende Adoptionsbegleitung so wichtig und welche Themen können Adoptivfamilien oder Adoptierte auch Jahre später noch beschäftigen? Das Gelingen einer Adoption hängt wesentlich davon ab, wie sich die Beziehungen der an einer Adoption Beteiligten nach dem Ausspruch der Adoption weiterentwickeln und ausgestalten. Dabei stellen sich zum Beispiel Fragen nach der Aufklärung des Kindes über seine Herkunft, nach Informationsaustausch und Kontakt zu den abgebenden Eltern oder auch nach Unterstützungsbedarfen bei der Herkunftssuche. Diese Themen brauchen eine prozesshafte Begleitung.

Dabei muss man berücksichtigen, dass sich die Bedarfe der Adoptivkinder sowie der annehmenden und abgebenden Eltern mit zunehmendem Alter verändern. Wenn später Fragen zu Herkunft, Kontakt, Informationsaustausch oder zur eigenen Biografie aufkommen, müssen dafür altersangemessene Antworten gefunden werden. Viele Menschen, die aus dem Ausland adoptiert wurden, beschäftigen sich irgendwann mit ihrer Herkunft. Welche Unterstützung kann die Zentrale Adoptionsstelle dabei geben?

Die Zentrale Adoptionsstelle berät und unterstützt aus dem Ausland Adoptierte bei der Einsichtnahme in ihre Adoptionsakte und begleitet diese Akteneinsicht. Dabei ist es oft wichtig, die Informationen aus der Akte gemeinsam mit den Adoptierten einzuordnen. Häufig entsteht nach einer solchen begleiteten Akteneinsicht auch der Wunsch, die Herkunftsfamilie im Ausland zu suchen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir auch dabei und klären für die Betroffenen,

welche Möglichkeiten der Suche nach den leiblichen Eltern im Ausland bestehen. Außerdem bieten wir für Auslandsadoptierte regelmäßig Onlineveranstaltungen an. Dort können sich Adoptierte zu den Themen austauschen, die für sie wichtig sind. Ergänzt wird das Angebot durch Präsenztreffen, bei denen gemeinsame Unternehmungen im Vordergrund stehen und die auch ein persönliches Kennenlernen ermöglichen. Danke für das Gespräch, Herr Köhler.

Über die Reihe „Menschen.Machen.Jugendhilfe.“ Ob Kinderschutz, Inklusion, Kita, Betriebserlaubnisse, Fachberatung oder Adoption: Das LVR-Landesjugendamt Rheinland unterstützt Jugendämter, Träger und Einrichtungen dabei, gute Bedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien zu schaffen. Die Reihe „Menschen.Machen.Jugendhilfe.“ stellt Mitarbeitende und ihre Arbeitsfelder vor und erklärt, was ihre Arbeit konkret bedeutet.

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