Sonntag, 06.09.2026 19:24 Uhr

Vaterland - ab 3.9.26 im Kino

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 06.09.2026, 13:47 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 425x gelesen
Auszug aus Filmplakat
Auszug aus Filmplakat  Bild: Kurt Lehberger (Montage)

Frankfurt am Main [ENA] Klaus Mann sitzt neben seinem Bett. Eine Frau erhebt sich neben ihm aus dem Bett und verlässt wortlos das Zimmer während er mit Erika Mann, seiner Schwester, telefoniert. Eine Spritze liegt auf dem Tisch. Klaus ist drogensüchtig. Thomas Mann kommt im Sommer 1949 aus seinem Exil nach Frankfurt.

Er wird vom Bürgermeister empfangen. Er erhält den Goethepreis. Nach der Festrede in der Frankfurter Paulskirche wird Thomas Mann von den Wagner Brüdern angesprochen. Sie möchten, dass er sich bei der Bayrischen Regierung für die Eröffnung der Wagner Festspiele einsetzt. Mann bekennt: „Wagner war ein großartiger Komponist, seine Musik bleibt. Bayreuth kann niedergerissen werden. Sagen sie das dem bayrischen Innenminister!". In der Bar nach dem Empfang der Preisverleihung erhält Gustaf Gründgens eine Backpfeife von Erika Mann, seiner früheren Ehefrau, wegen seiner Zusammenarbeit mit Joseph Goebbels und seiner Karriere über alles, ohne Moral und Anstand.

Thomas Mann wird eingeladen, in Weimar den Goethe-Nationalpreis verliehen zu bekommen und dabei seine „Ansprache im Goethejahr“ noch einmal wie in Frankfurt zu halten. Am Grenzübergang in die Sowjetischen Besatzungszone werden die Papiere von Erika und Thomas Mann überprüft. Sie haben eine Einladung des sowjetischen Propagandachefs und dürfen die Grenze passieren. In Weimar im Deutschen Nationaltheater hält Thomas Mann die Rede, vorher hat sie Erika gelesen und verbessert. "... Goethe erhebt sich dadurch, dass er die Menschenrechte über sein Selbst stellt." Der sowjetische Propaganda-Chef Tjulpanow applaudiert und leitet durch sein Aufstehen die „Standing Ovation“ ein.

Später sagt Erika zu Thomas Mann: „komm aus deinem Schloss heraus! Du lebst in einer Scheinwelt.“ Sie sieht, dass die Realität heute durch den Gegensatz von Amerika und der Sowjetunion geprägt ist. In den USA hat die McCarthy-Ära und damit ein strikter Anti-Kommunismus begonnen. Der Kalte Krieg wird überall geführt. Thomas Mann soll das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald, das nur 10 km von Weimar entfernt ist, aufsuchen. Im Lager befinden sich 12.000 politische Häftlinge aus der Sowjetischen Besatzungszone. Mann lässt Buchenwald aus. Nachts grölen junge Leute ein Lied in der Straße des Hotels. Erika reißt das Fenster auf und schreit „Mörder!“.

Klaus Mann nimmt sich das Leben. Die Rede in Weimar wird nicht abgesagt. Man(n) trifft sich in Cannes zu Beerdigung. Es gibt keinen Abschiedsbrief von Klaus. Die Trauer um den Selbstmord ist für alle schmerzlich, besonders für Erika. Der Film ist plötzlich zu Ende. Er hätte gerne noch zehn Minuten weitergehen können. Sandra Hüller spielt Erika Mann, Hanns Zischler Thomas Mann. Regie führt Paweł Pawlikowski. Die Geschichte hält sich nicht an historische Fakten, im Abspann wird darauf hingewiesen. Z. B. wurde Thomas Mann bei der dargestellten Reise von seiner Ehefrau Katia begleitet und nicht von seiner Tochter Erika.

Der Film gewann bei den Filmfestivals von Cannes den Preis für die beste Regie. Er ist in Schwarzweiß gedreht und hat eine Dauer von 81 Minuten. Der Film kommt leise daher. Die Szenen sind behutsam ausgewählt. Ein Gesamteindruck der Zeit, der Konflikte im Politischen und im Privaten entsteht. Der Film ist empfehlenswert. Der Inhalt ist relevant, da es um das Thema Exil und Heimat geht. Gerade die Ost–West Spannung im geteilten Deutschland erlebt Thomas Mann, der nicht Kommunist war und doch ins Exil ging. Er bezeichnete sich selbst als politischen Flüchtling. Die schauspielerische Leistung von Sandra Hüller ist hervorragend, besonders in den Szenen der intensiven Trauer um Klaus zeigt sie ihre Professionalität.

Die wörtlichen Reden in dem Artikel sind nur sinnhaft wiedergegeben.

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