Mittwoch, 16.09.2026 21:23 Uhr

Musical Dialogues in Concert

Verantwortlicher Autor: Prof Dr Peter Schroeder Linz, 16.09.2026, 12:00 Uhr
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Linz [ENA] Laut Duden ist die Definition des Wortes „Dialog“ (der D, Substantiv, maskulin) eine von zwei …… Personen abwechselnd geführte Rede und Gegenrede; ein Zwiegespräch oder eine Wechselrede. Ein sehr zutreffender Begriff für die aktuelle Konzertreihe Musical Dialogues, den Jazz-Superstar Brad Mehldau und der klassische Pianist Kirill Gerstein miteinander führen, gehört im Bruckner-Haus zu Linz.

Brad Mehldau *(1970) gilt laut New York Times als »der einflussreichste Jazzpianist der letzten 20 Jahre.« Er sei der größte aktive Jazzpianist. »Zu den Top 5 gehört er auf jeden Fall«, schrieb Andrew Marantz 2023 im New Yorker: »Er ist zweiundfünfzig – zu alt, um ein Wunderkind zu sein, zu jung, um eine graue Eminenz zu sein, trotz seiner mittlerweile ergrauten Haare.« Sein Werk verbindet experimentierfreudigen Jazz mit Elementen klassischer Musik oder, Pop-Musik, als er 2020 „Your Mother Should Know – Brad Mehldau Plays The Beatles" aufnahm. Andere Aufnahmen entstanden mit der Sopranistin Renée Fleming (Love sublime mit Titeln aus Rainer Maria Rilkes „Stunden-Buch“) oder dem Saxophonisten Joshua Redman („Nearness“).

Einen kongenialen Partner für die „Musical Dialogues In Concert dieser Konzerttournee hat Mehldau im neun Jahre jüngeren Kirill Gerstein gefunden. Dessen Eltern besaßen eine Sammlung von Jazzplatten. Jazz wurde zu einer verlockenden Parallelwelt, in der der junge Kirill den Stil von Oscar Peterson und der Bebop-Pianisten nachzuahmen versuchte. Im Alter von 12 Jahren, nachdem er in Polen einen Wettbewerb für klassisches Klavier gewonnen hatte, hörte man ihn, wie er sich bei Jazz entspannte. Eine Einladung zu einem Jazz-Workshop folgte und offenbar wurde ihn der Jazz-Vibraphonisten Gary Burton auf ihn aufmerksam, der ihn - als dessen jüngsten Studenten aller Zeiten – an das Berklee College of Music in Boston vermittelte.

Da er zu der Auffassung kam, beide Musikstile nicht mit gleicher Intensität studieren zu können, wechselte er an Manhattan School of Music. Mit dem dort erworbenen Master nahm er Meisterkurse in der Escuela Superior de Música Reina Sofia bei Dmitri Baschkirow und besuchte Anfang der 2000er Jahre die Accademia Internazionale Del Pianoforte Lago di Como. In einem Interview mit dem britischen The Independent sagte er einmal:“ „Ich habe Musik schon immer geliebt, aber ich habe mir nicht unbedingt vorgestellt, einmal Pianist zu werden. Ich hatte nicht diese typische, qualvolle Kindheit, in der man nichts als Tonleitern und Chopin-Etüden spielt. Das habe ich natürlich später bezahlt, indem ich viel mehr üben musste als andere Klavierstudenten.“

Dennoch galt er als Wunderkind: Er spielte Bach und Schumann bei Konzerten an der Musikfachschule.Für eine Zeit widmete er sich beiden Disziplinen. Mit dem Gewinn des Arthur-Rubinstein-Wettbewerbs 2001 in Tel Aviv im Alter von 22 Jahren beschloss er, Jazz als Hobby beizubehalten. In einem Interview mit der Streaming-Plattform „Digital Concert Hall“ der Berliner Philharmoniker sagte er, dass der Jazz ein wichtiger Bestandteil seiner künstlerischen Entwicklung sei und der durch den Jazz gelernt habe, „dass Musik mehr ist als nur die schwarzen Punkte auf dem Papier. Meine Erfahrungen mit Improvisation und Timing im Jazz beeinflussen in gewisser Weise auch die Art und Weise, wie ich klassische Musik spiele.“

Werke von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Gabriel Fauré und von Mehldau selbst bilden während des Konzerts den Rahmen für Stücke des Avantgarde-Komponisten György Ligeti. Die Verbindung zwischen György Ligeti (1923-2006) und Brad Mehldau steht in der Mitte des Programms. Ligeti, ein österreichisch-ungarischer Komponist, gehört zu den bedeutenden Komponisten des 20.Jahrhunderts und Repräsentanten der Neuen Musik. Eines seiner bekanntesten Werke ist Atmosphères. Unter den großen Komponisten der Neuen Musik war Ligeti sicher derjenige, der zeitgenössische Jazzmusiker wie Kris Davis, Elliot Galvin, Aki Rissanen, Florian Ross oder eben Brad Mehldau fasziniert hat.

Polyrhythmischen Klavieretüden (wie „Arc-en-ciel“, das laut Ligetis Notentext „With Swing“ gespielt werden soll, mit einer leisten Erinnerung an „Time Remembered“ von Bill Evans), die in ihrer rhythmischen Struktur oft eine erstaunliche Nähe zur Komplexität des modernen Jazz aufweisen. Ligetis „Originale“ werden von Gerstein gespielt, beantwortet von Mehldaus Improvisationen.

Das zweistündige Programm im Linzer Bruckner-Haus endet mit „Always August“ aus dem erwähnten Album „Nearness“, das an diesem lauen September Abend mit After-show-Drink am Ufer der gemächlich vor sich hin fließenden Donau seinen Abschluss findet.

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