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Das Josephinum präsentiert "Meister der Ärzteporträts"

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien , 30.05.2023, 22:25 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5893x gelesen

Wien [ENA] Mit einer düsteren und strengen Ästhetik bestechen die säuberlich gerahmten Ärzteporträts als schwarzweiße Charakterköpfe und als Wahrzeichen einer mächtigen Ärzteschaft, die das Josephinum, das Medizinhistorische Museum Wien mit der Ausstellung "Der Meister des Ärzteporträts- Max Schneider und die Medizinische Fakultät von 1923 bis 1938" präsentiert und damit auch der frühen Fotografie ein Denkmal setzt.

Gleichzeitig ist die Ausstellung eine Hommage an den Photographen und akademischen Maler Max Schneider, der seinen Fokus ganz auf die Medizin in Wien gerichtet hatte. Ab Mitte der 1920er-Jahre gestaltet er auch große Tableaus der Professoren für die Wiener Medizinische Fakultät, die zahlreich vervielfältigt wurden und fotografierte Gruppenbilder oder den klinischen Alltag im Allgemeinen Krankenhaus. Das Josephinum sammelte seit den 1920ern seine Bilder, in denen das Bildmotiv gerne als Stillleben aufgefasst ist, das in seiner Statik einen Flair von Seriosität vermittelt. Max Schneider und seine Familie teilten, wie viele seiner jüdischen Zeitgenossen, das Schicksal von Flucht, Vertreibung und Enteignung während der NS-Zeit.

Mit Glück erhielt die Familie im September 1938 ein Visum für Indien und Max Schneider etablierte sich in Bombay wieder als Fotograf und Porträtist. Ein Schwerpunkt des Ausstellungskatalogs betrifft auch die akribische Recherche über viele jüdische Ärzte, die in den Gruppenfotos Schneiders zu sehen sind und die ebenfalls flüchten mussten oder ermordet wurden. Aber auch österreichische Ärzte wie Hans Eppinger, die später grausame Experimente in KZs durchführten, sind Teil des historischen Fotomaterials. Das Josephinum selbst, 1785 von Kaiser Joseph II als medizinisch-chirurgische Militärakademie gegründet als klassizistischer Prachtbau, ist ein wichtiges Zeugnis der Aufklärung und beherbergt die Sammlungen zur Geschichte der Medizin.

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