Dienstag, 15.09.2026 23:02 Uhr

IFA 2026:"Consumer Electronics,Home Appliances,FutureTech"

Verantwortlicher Autor: Gerhard Bachleitner München, 15.09.2026, 21:42 Uhr
Kommentar: +++ Internet und Technik +++ Bericht 180x gelesen
Daß asiatische Roboter auch Kampfkunst beherrschen, überrascht nicht.
Daß asiatische Roboter auch Kampfkunst beherrschen, überrascht nicht.  Bild: Veranstalter

München [ENA] „Wir sehen auf der IFA, wohin sich der Bereich Smart Home entwickelt: Küchen werden intelligenter, Haushaltsroboter übernehmen immer komplexere Aufgaben und vernetzte Technologien reichen längst über die eigenen vier Wände hinaus bis in den Garten." *

So beschreibt Leif Lindner, Leiter der IFA, das heutige Konzept der einstigen Internationalen Funkausstellung, in der zwar immer noch gefunkt wird, die Unterhaltungselektronik aber einen viel kleineren Anteil als früher einnimmt, als noch deutsche Hersteller am Markt tätig und an Innovation interessiert waren. Seitdem stellt sich die IFA thematisch breiter auf und umfaßt nun auch alle Arten von Hausgeräten einschließlich individueller Energiegewinnung und Mobilität.

An unvermuteter Stelle spielte sich die KI mit ihren agentischen Fähigkeiten als radikaler Kulturwandel im Arbeitsleben in den Vordergrund. PLAUD, bisher mit Übersetzungskopfhörern bekannt geworden, hat nun ein ausgedehntes KI-Hinterland dazugebaut, nennt es aber bescheiden ein "KI-Notizgerät". Der auditiven Erfassung von Gesprächen folgt die Verschriftung, sodann die inhaltliche Analyse, Zusammenfassung und Extraktion von Agenda, z.B. Ermittlung von E-Mail-Adressaten, Erstellung von Nachrichten, Memoranden, Fehler-/Ersatzteillisten usw.

Die KI erledigt dies alles, natürlich auch geräteübergreifend, und ist in recht unterschiedlichen (Jahres-)Abos verfügbar. Das beginnt bei knapp 100 Euro/a für 6000 Transkriptionsminuten, also 100 Stunden. Mit allerlei Pro- und "unlimited"-Varianten für die gesamte Büroarbeit kann man über 600 Euro/a kommen. Dem rechnet der Anbieter einen Wert eingesparter Meeting-Zeit von weit über 8000 $ gegen - nur spart die eben nicht der Arbeitnehmer, sondern der Arbeitgeber. Die Hardware ist vergleichsweise günstig.

Meta hat das Thema Datenbrille wieder in den Markt gebracht und plädiert damit für KI-Unterstützung auch unterwegs. TCL tat sich mit einer Datenbrille hervor, Ray Neo GT Max. Das klingt wie ein Rennwagen und soll es wohl auch. Sie soll bei einem Preis in Richtung 500 Euro besser als die Brille von Meta sein, verspricht 97% Transparenz und eine virtuelle Bildgröße von 33 Zoll bei hoher Auflösung. Das digitale Hinterland kann man aus verschiedenen LLMs auswählen.

"Freiheit zu fliegen" ein Traum erfüllt sich (für andere)

Unter den Mobilitätsangeboten fiel der bisher wohl kaum bekannte chinesische Hersteller Xpeng auf - nicht wegen einiger komfortabler, aber konventionell designter E-Auto-Limousinen, sondern wegen des elektrischen Flugautos, genauer: des "Land Aircraft Carrier", also etwa: Boden-Luft-Fahrzeug. Das ist eine pfiffige Lösung, die keinen Hybrid aus Land- und Luftfahrzeug beabsichtigte, sondern lediglich das Fluggerät so minimalistisch konstruiert, daß es von einem Lieferwagen transportiert werden kann.

Die Idee ist also: man fährt ausflugshalber, urlaubshalber oder geschäftlich irgendwohin, packt den Hubschrauber aus und fliegt damit weiter. Eine halbe Stunde Flugzeit sind möglich, ein Pilot ist erforderlich. In dem Zweisitzer findet man sich der Natur fast unmittelbar ausgesetzt, nur ein Millimeter schwarz lackierten Eisenblechs und Fensterglas trennen den Passagier von der Tiefe.

Daß der Transport-LKW maximal abweisend und martialisch, wie ein gepanzerter Geldtransporter daherkommt, wird man angesichts des Inhaltes hinnehmen, und daß er wegen des Gewichts des Hubschraubers von 750 kg eine dritte Radachse braucht ebenfalls. Auch der Preis von 250.000 $ für die Kombination geht in Ordnung, kosten doch schon bessere Elektro-Straßenfahrzeuge leicht mal 100.000. Im übrigen wird es in vielen Fällen genügen, Touren und Flüge für einzelne Anlässe zu mieten, wofür sich zweifellos rasch Anbieter finden werden.

Ein solches Stück Zukunft ist aber für Deutschland absolut unverdaulich. Der Firmenvertreter teilte mit, daß er es auch in monatelanger Arbeit nicht geschafft hat, auch nur eine Versuchserlaubnis für einen Start, selbst von privatem Gelände, zu erhalten, und so blieb die Maschine auch auf der IFA am Boden. Solche Verkehrsfeindlichkeit hat hierzulande Tradition, wie man auch an dem einheimischen Flugtaxihersteller Lilium sehen konnte, den man ungerührt untergehen ließ.

Daß eine neue Technik bisherige Regularien unterläuft - in diesem Falle: keinen definierten Flugplatz zum Starten braucht -, wollen Bürokraten nicht akzeptieren und verbieten sie deshalb gleich ganz. Außerdem will man selbstverständlich nicht, daß die behördlich sanktionierte Stau- und Baustellenmalaise auf den Straßen und die marode Infrastruktur des administrierten Kollektivverkehrs einfach überflogen werden kann, zumal von einem Individualverkehrsmittel.

Notabene hat Xpeng bereits 7000 Vorbestellungen weltweit für das Produkt, das die "Freiheit zu fliegen" bieten kann. Es ist auch kein Zufall, daß der marktführende Drohnenhersteller DJI aus China kommt. Das Hubschrauber-Projekt wäre, in eine bessere deutsche Automobilbranche rückübersetzt, eine Sache für Porsche gewesen. Dort hätte man die Klientel und die Kleinserienkompetenz gehabt. Jetzt hat man dort andere Sorgen, wie die Branche insgesamt.

So lange es die Chinesen noch für wert halten, nach Deutschland zu kommen, um hier ihre Zukunft zu zeigen, weil wir uns eine eigene selbst abtrainiert haben, wird die IFA auch weiterhin genügend Stoff haben, mit technischen Attraktionen die Hallen unter dem Funkturm zu füllen. Was das aktuelle Motto "The future is now" betrifft: Die Zukunft ist zwar jetzt, aber anderswo.

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