IFA 2026 in Berlin - Androiden
München [ENA] Die IFA 2026 in Berlin übertraf wieder die Erwartungen aus dem Vorjahr, mehr Besucher, mehr Aussteller, mehr "Creators", mehr Vortragende - mehr Zukunft, möchte man sagen, angesichts des verheißungsvollen Mottos "The future is now". Zumindest war die Zukunft für eine knappe Woche zu Besuch.
Die asiatische Präsenz war diesmal noch stärker als bisher schon, und sie brachten eine ganze Population von Robotern mit, entweder auf Rollen beweglich und mit etwas Fell aufgeputzt, oder Vierbeiner ohne erkennbaren Kopf, oder Zweibeiner, die wie kleine Kinder an der Hand geführt wurden. Man ahnt, daß solche Geschöpfe in manchen japanischen Haushalten vermutlich für das Einzelkind das Geschwister ersetzen werden. Technisch hat hier ein Entwicklungssprung stattgefunden. In einem solch kleinen Körper genügend Intelligenz für den aufrechten Gang und Sprachfähigkeit unterzubringen, war früher nicht möglich.
Die Hersteller haben keine Scheu vor Anthropomorphismus, wenngleich es auch dezidiert unpersönliche Gestalten gibt, neumittelalterliche Ritter mit Visier, oder sogar gesichtslose Androiden. Man scheut sich nicht einmal, ggf. auch quasibiologisch die Geschlechter zu trennen. Es gibt eindeutig weibliche Figuren mit ausgeprägtem Hinterteil, und bei Everthine sahen wir eine - nicht gerade Fleisch, aber Bild gewordene Männerfantasie, sachlich-neutral als 3D-AI Agentic Companion deklariert. Damit ist die immersive 3D-Abbildung - aber kein Hologramm - eines Avatars in einem Glaszylinder von der Größe einer Flasche gemeint.
Abgebildet wird ein leicht bekleidetes Mädchen, eine Lolita, und auf dem Prospekt streckt sie die Hand zum Betrachter aus, als wolle sie ihn zu sich holen. Daß das Gerät - wie man es auch nennen könnte - vorzugsweise auf dem Nachtkästchen steht, läßt auf den alleinlebenden Mann als Zielgruppe denken. Die KI lernt natürlich Biographie und Vorlieben des Besitzers, reagiert entsprechend und "entwickelt sich" mit ihm, wie es heißt. Man kennt das von anderen Beziehungs-KIs. Als Geist in der Flasche bekommt der Avatar eine Art von Körperlichkeit, und man kann ihn buchstäblich in die Tasche stecken. Über den angesetzten Preis war noch nichts zu erfahren.
Dreame stellte zwei neutrale und klobige Haushaltsroboter aus, deren einer für die Wäschepflege, d.h. Waschmaschinenbedienung gedacht ist. Das Mißverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag erscheint jedoch gewaltig. Mit unfaßbarer Langsamkeit werden Socken vom Wäschebehälter in die Trommel gebracht. Roborock hat einen Saugroboter, der Socken vom Boden aufsammelt. Vielleicht sollten beide Geräte zusammenarbeiten. Hier ist offensichtlich Bedarf an einem herstellerübergreifenden Standard für Interoperabilität, der aber gewiß schon in Arbeit ist.
Wenn man dafür allerdings auch 20 Jahre braucht wie beim Smart-Home, ehe man sich nach allseits unbefriedigender Marktentwicklung auf "Matter" einigen konnte, wird es mit der erhofften Roboterrevolution noch gute Weile haben. Zu befürchten ist ohnehin, daß Roboter zunächst kaum wegen ihres Nutzwertes, sondern hauptsächlich als Statussymbol gekauft werden. Die Geräte sind so teuer, daß sie sich bestens zur Distinktion eignen, und entsprechend finanzkräftige Haushalte können sich unabhängig davon ohnehin Dienstpersonal leisten.
Samsung hatte sich aus dem City-Cube und vom allgemeinen Publikum zurückgezogen und residierte für Fachbesucher im Humboldt-Carré hinter dem Brandenburger Tor. Dort wurden die Produktwelten in kleinen Räumen ästhetisch-dekorativ präsentiert und sachkundig erläutert. Im Audiosegment fielen zwei Entwicklungen auf. Einen französischen Designer ließ man neu über das Konzept Lautsprecher nachdenken, das ja mit Einführung der "Soundbar" gewissermaßen seine Form verloren hat.
Den Mehrkanalton von Fernsehern entreißt Samsung nun den (vielleicht zu gierigen) Händen von Dolby und verwendet ein proprietäres System namens Q-Symphony. Damit werden eingebaute Lautsprecher und Soundbar gemeinsam mit entsprechend aufbereiteten Signalen versorgt, technisch gewiß keine große Sache. Panasonic präsentierte in der Halle auf dem Messegelände ebenfalls nur für Fachbesucher.




















































