Montag, 15.06.2026 04:44 Uhr

24h Le Mans: Toyota triumphiert bei der 94. Ausgabe

Verantwortlicher Autor: Markus Faber Le Mans (FRA), 14.06.2026, 20:42 Uhr
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Toyota TR010 Nr. 8
Toyota TR010 Nr. 8  Bild: Markus Faber

Le Mans (FRA) [ENA] Toyota ging an diesem Wochenende als Sieger aus einem titanischen Kampf um die Vorherrschaft bei der 94. Auflage der 24 Stunden von Le Mans hervor; die japanische Marke setzte sich gegen BMW und Cadillac durch und kehrte erstmals seit vier Jahren auf die oberste Stufe des Siegerpodests zurück.

Eine Rekordkulisse von 350.105 Zuschauern an der Strecke erlebte die wohl spannendste und fesselndste Ausgabe dieses 24-Stunden-Rennens der jüngeren Geschichte; lediglich 10,913 Sekunden trennten den Sieger vom Zweitplatzierten – der knappste Zieleinlauf in der Geschichte der FIA World Endurance Championship (WEC). Der Grundstein für Toyotas sechsten Le-Mans-Sieg wurde bereits in der ersten halben Stunde gelegt. Ähnlich wie BMW bei seinem Durchbruchssieg in Spa-Francorchamps im Vormonat wagte der mehrfache Weltmeister ein strategisches Wagnis und wich von der geplanten Taktik ab, um seinen Fahrzeugen freie Fahrt zu verschaffen.

Von den hinteren Startplätzen 14 und 15 in der Königsklasse (Hypercar) aus katapultierte diese mutige Entscheidung das Team mitten in den Kampf um den Sieg. Über weite Strecken des Rennens sah der Toyota GR010 Hybrid mit der #8 – der bereits den Saisonauftakt der WEC im April in Imola gewonnen hatte – wie der wahrscheinlichste Sieger aus. Brendon Hartley, Ryō Hirakawa und Sébastien Buemi zeigten eine herausragende Leistung, überholten den Cadillac (#12) sowie den BMW (#20) und brachten sich in eine aussichtsreiche Position für den Triumph.

Die zweite Safety-Car-Phase am Sonntagmorgen – notwendig geworden durch Reparaturen an der Streckenbegrenzung nach einem schweren Unfall von Ayhancan Güven im Porsche von Manthey DK Engineering (Klasse LMGT3) – brachte jedoch den Schwesterwagen #7 (pilotiert von Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck de Vries) wieder ins Rennen zurück. Dieser war zuvor durch einen schleichenden Reifenschaden zu Beginn der vierten Stunde sowie ein Problem mit einem Antriebswellensensor, das zu einem Zurückfallen im Klassement geführt hatte, gehandicapt gewesen.

Von diesem Moment an ging es los und es kam bis zur Zielflagge zu einem spektakulären Vierkampf zwischen den beiden Toyotas, dem Cadillac N#12 und dem BMW #20. Eine Kombination aus Kobayashis atemberaubender Geschwindigkeit, den prägnanten Überholmanövern von de Vries und ein bisschen Glück in Bezug auf den Zeitpunkt eines späten Full-Course-Yellow-Signals machten am Ende den Unterschied für die Crew #7 aus. Kobayashi überquerte die Ziellinie als Erster und sicherte sich Toyotas 51. WEC-Sieg bei seinem 102. Start – und stellte damit seine erstaunliche Trefferquote von 50 Prozent wieder her – und brachte die Marke sowohl in der Hersteller- als auch in der Fahrerwertung an die Spitze.

„Es ist schwer in Worte zu fassen“, meinte Conway. „Hier zu gewinnen ist immer unglaublich, weil es ein so hartes Rennen ist und auch unsere Gegner superhart waren. Es gab Momente, in denen jeder Teilnehmer stark war. Ich glaube, wir wussten selbst bis zu den letzten zwei oder drei Stunden nicht wirklich, was passieren würde. Robin [Frijns] hat es in den letzten 30 Minuten extrem spannend gemacht und ich glaube, Nyck [de Vries] hat in der letzten Stunde die Augen geschlossen und sich versteckt. Ich lief im Fahrerraum auf und ab und hatte in den letzten 30 Minuten etwa 15 Toilettenpausen! Aber wir haben es geschafft, wir haben den Job gemacht und sind hier. Es war eine unglaubliche Leistung, ein großes Lob an alle Beteiligten.“

Der Spa-Sieger-BMW mit der #20 – pilotiert von Frijns, René Rast und Sheldon van der Linde, die dank eines aggressiven ersten Stints des Deutschen früh in Führung gegangen waren – fand letztlich kein Mittel gegen das Tempo von Toyota. Dennoch bedeutete der zweite Platz das erste Podium der bayerischen Marke in der Gesamtwertung an der Sarthe seit ihrem berühmten Sieg im Jahr 1999.

Die Fahrer des Toyota mit der #8 komplettierten das Podium vor dem Cadillac V-Series.R mit #12 (besetzt mit Nato, Will Stevens und Louis Delétraz). Das Trio musste sich über eine Durchfahrtsstrafe wegen eines Verstoßes in einer „Slow Zone“ am Sonntagmorgen sowie zwei außerplanmäßige Boxenstopps ärgern – Zwischenfälle, die der Marke aus dem GM-Konzern wohl den ersten Sieg an der Sarthe kosteten.

Der Schwester-Cadillac mit der #38 – pilotiert vom Lokalmatador Sébastien Bourdais, dem Hyperpole-Schnellsten Jack Aitken und dem zweifachen Le-Mans-Sieger Earl Bamber – kämpfte aussichtsreich um die Spitzenplätze, bis das Team zur Rennmitte aufgrund eines Problems mit der Servolenkung sieben Runden verlor und später aufgeben musste. Für den Titelverteidiger Ferrari blieb der märchenhafte vierte Sieg in Folge aus; die drei 499P-Hypercars spielten im Kampf um die Spitze keine Rolle. Der Wagen mit der #51 war beim Überqueren der Ziellinie als Fünfter der bestplatzierte Italiener, während das Schwesterauto mit der #50 zu den vier Ausfällen in dieser Kategorie zählte.

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