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Deutsche Rentenversicherung über Altersrente 27.11.2022

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Berlin, 27.11.2022, 01:18 Uhr
Kommentar: +++ Politik +++ Bericht 5633x gelesen
Immer mehr Rentner haben zu wenig Geld zur Verfügung
Immer mehr Rentner haben zu wenig Geld zur Verfügung  Bild: Alexa / Pixabay.de

Berlin [ENA] Am letzten Wochenende flatterte mir eine Information von der Deutschen Rentenversicherung ins Haus. Eine Veranstaltung über die Altersrente hier vor Ort, also hier in Göttingen, wo sich jeder anmelden kann. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen und angemeldet.

Am Donnerstag Nachmittag dann um 16.30 Uhr Start des Vortrags, bei dem rund 20 Personen anwesend waren, Dauer sollte geplant 90 Minuten sein mit jederzeitiger Fragemöglichkeit der Teilnehmer. Warum schreibe ich darüber ? Weil es doch einige wichtige Aspekte gab, die so nicht oder einfach gar nicht publiziert worden sind und so manchen Leser überraschen werden. Los geht´s.

Es gibt für die Deutsche Rentenversicherung im Prinzip 4 verschieden behandelte Gruppen von möglichen Rentenbeziehern. Je nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe werden die besonders behandelt. Gehört man aber 2 Gruppen an, werden die „ Boni „ nicht zusammengerechnet. Gruppe 1 umfasst die normalen Arbeitnehmer, die einfach ihre Zeit abarbeiten und dann regulär in Rente gehen. Gruppe 2 sind Arbeitnehmer, die ein langes Arbeitsleben mit mindestens 35 Jahren Beitragszahlung hinter sich haben, Gruppe 3 die mit gar 45 Beitragsjahren. Gruppe 4 sind die Arbeitnehmer mit einen GDB von mindestens 50.

Stand heute werden bereits ab 27 Jahren Lebensalter jährlich Renteninformationen versandt, wenn gleichzeitig mindestens 5 Beitragsjahre vorhanden sind. Das können auch Studenten sein, die zwar immer noch studieren, aber nebenher durch Jobs Beiträge abgeführt haben. Ab 55 Jahren Lebensalter bekommt man zu den jährlichen Informationen alle 3 Jahre eine große Rentenauskunft mit individueller Darstellung der Rentenberechnung mit Verdienst, Erwerb und Wert der erreichten Rentenpunkte. Der Rentenpunkt ist derzeit im Westen 36.02 Euro wert, im Osten 35.52 Euro. Das ist immer ein Kritikpunkt vieler Ostler, sie würden ja weniger Rente bekommen als die im Westen.

Und jetzt der erste Hammer. Das stimmt nicht nur nicht, sondern die bekommen sogar MEHR Rente als die Westler, und warum das so ist, erkläre ich hier. Seit 2005 wird der Bruttoverdienst der Ostler mit einem Faktor aufgewertet. Beispielweise waren es 2005 ein Faktor 1.1827. Bedeutet: Hat ein Ostler einen Verdienst von 30.000 Euro brutto gehabt, wird dieser mit dem Faktor multipliziert und der kommt plötzlich auf 35.481 Euro als Grundlage der Berechnung des Rentenpunktes. Wenn sie als Westler 33.000 Euro brutto verdienen, also 10 % mehr Gehalt bekommen, haben sie für ihre Rente trotzdem weniger erwirtschaftet als der Ostler.

DAS ist die Wahrheit. Die Frage steht noch aus, ob zum einen der Standort des Arbeitgebers oder Wohnort des Arbeitnehmers als Grundlage der Hochstufung gilt. Selbst wenn der Arbeitnehmer im Osten und Westen das gleiche Bruttogehalt für einen bestimmten Job bekommen, also beide 30.000 Euro, steht sich der Ostler besser, weil er die Aufstockung bekommt. Hätten sie nicht gewußt, oder ? Für 2006 galt der gleiche Wert, ansonsten ist der Wert immer wieder etwas angehoben worden, also z. B. 2007 lag er bei 1.1841, ein Jahr später schon bei 1.1857. Zu den verdienten Gehältern werden auch ALG 1 Zeiten oder Krankengeldzeiten addiert.

Wer 45 Jahre Beiträge entrichtet hat, kann 2 Jahre früher in Rente gehen, und das ohne Abschläge. Wenn Kinderzeiten vorliegen, werden 10 Jahre Beitragszeit zu der wirklichen Arbeitszeit addiert, wer zum Beispiel 3 Kinder hat, erhöht den Anspruch entsprechend, hier ist die Berechnungsgrundlage Geburt des 1. Kindes bis zum 10. Lebensjahr des dritten Kindes. Für 1 Jahr Kindererziehung wird ein Rentenpunkt gutgeschrieben, entspricht also einem theoretisch verdientem Gehalt von 40.000 Euro. Wenn derjenige dann noch zusätzlich arbeitet, kann er bis zu 80.000 Euro für die Rentenpunkte zu berücksichtigendes Gehalt angerechnet bekommen.

Das wird besonders unsere Flüchtlinge freuen, die ja nicht nur häufig mit einem Kind, sondern gleich mit mehreren kommen und hier nach kurzer Zeit neue Kinder bekommen, und das in traumatisiertem Zustand. Da werden gleich mal ein Jahrzehnt Arbeitszeit oder mehr von deutschen Arbeitnehmern, die gebuckelt haben, übersprungen. Super. Wer übrigens kurz vor Erreichen der 45 Beitragsjahre arbeitslos wird, hat Pech gehabt. Die 2 letzten Jahre bis zum Erreichen können nicht durch ALG 1 Beiträge aufgefüllt werden. Das soll verhindern, das ein Arbeitgeber mit Handschlag den Mitarbeiter 2 Jahre eher entlässt.

Zu der Berechnung des möglichen Renteneintrittsalter, das regulär derzeit bei max. 67 Jahre liegt, wenn jemand dann in Rente gehen will, gibt es eine Tabelle, wo entsprechend des Geburtsjahres aufgeschlüsselt ist, wann genau das Eintrittsalter ist. Es beginnt beim Jahrgang 1947, der mit 65 Jahre abschlagsfrei in Rente gehen kann, und dann kommt pro Jahr ein Monat drauf, also Jahrgang 1948 darf mit 65 Jahren 1 Monat in Rente gehen usw. bis zum Jahrgang 1964, der die vollen 67 Jahre ableisten muß. Wer freiwillig weiterarbeiten will aber trotzdem in Rente geht, kommt zwar in den Genuß von verminderten Krankenkassenbeiträgen, ist aber bei möglicher Krankheit ab 6 Wochen für die Zahlung von Krankengeld ausgeschlossen.

Schwerbehinderte, die in Rente gehen möchten, könnten das frühestens mit Jahrgang 1953 abschlagsfrei mit 63, wieder monatlich gestaffelt dann mit Jahrgang 1964 mit 65 tun. Wer eher geht, und das ist maximal 2 Jahre früher möglich, bekommt pro Monat einen Abschlag von 0.3 %. Diese 0.3 % gelten für alle Altersgrenzen, Regelrenten oder Renten bei langjährige Beitragszahler. Wer länger als bis 67 arbeitet bekommt pro Monat einen Rentenzuschlag von 0.5 %. Bedeutet 6 % mehr im Jahr. Eine besondere Empfehlung des Vortragenden der Deutschen Rentenversicherung, doch Vorsicht: Sie bleiben nicht länger am Leben wenn sie länger arbeiten, durch längere Arbeit verkürzt sich bei manchen Arbeitnehmern die Rentenbezugsdauer.

Abgesehen von Risiken die dazukommen je länger gearbeitet wird wird der Zustand des Körpers nicht besser. Abgesehen davon rutschen sie eventuell in höhere Steuerklassen für die Berechnung von Steuer und Krankenkassenbeiträgen, so das die theoretischen 6 % netto niedriger ausfallen. Genauso verhält es sich mit dem Kauf von Rentenpunkten, um Abschläge zu vermeiden. Da kosten beispielsweise bei einer Bruttorente von 800 Euro die 2 Jahre abschlagsfrei zu kaufen einmalig rund 12.500 Euro, bei einer Bruttorente von 1000 Euro rund 15.600 Euro. Natürlich immer individuell etwas höher oder niedriger, hier Durchschnittswerte. Bedenken sie 2 Punkte, bevor sie diese Summe zahlen wollen:

Die Basis dafür ist ein theoretisches Lebensalter von 86.5 Jahre. Erst wenn sie dieses Alter überschreiten, übersteigt die Rente ihre Zuzahlungen und sie machen Gewinn. Sterben sie vorher oder sogar vor dem Renteneintritt, ist das Geld verloren. Natürlich schwärmt auch hier der Rentenversicherungsmitarbeiter für den Zukauf und rät, wer dieses Vorhaben in Erwägung zieht, das noch dieses Jahr zu tun weil dieses Jahre noch die Rentenpunkte günstig seien wegen der Coronazeiten. Wer jetzt einen Antrag stellt und die Zuzahlung ausgerechnet bekommt, hat einen verbindliche Ausrechnung für 3 Monate, auch wenn das bereits ins nächste Jahr reingeht.

Zum Schluß noch ein Wort zu den jährlich versandten Renteninformationen. Darauf befinden sich 3 Eurowerte. Fangen wir mit dem interessantesten an, den in der Mitte. Dieser Wert ist der niedrigste der 3 Werte und zeigt die Rentenhöhe an, die sie wirklich bisher aufgrund ihrer Beiträge und Renteneckpunkte erreicht haben. Der obige Wert ist die Höhe der Rente, die ihnen bei Erwerbsminderung zustehen würde, der untere ist der hochgerechnete Wert der Rente, wenn ihre Renteneckpunkte in gleicher Höhe erreicht werden wie die letzten 5 Jahren. Alle 3 Werte werden aber auch durch Rentenerhöhungen oder Änderungen in der Formel der Rentenberechnung beeinflusst.

Aber Achtung. Nicht zu früh freuen. Das sind alles Bruttobeträge, je nach Höhe der Rente werden sie unter Umständen steuerpflichtig, und 11 % für Krankenkasse und Pflegeversicherung behält die Rentenversicherung davon auch noch ein. Eines wird bei den komplizierten Rentenerrechnungsverfahren klar. Der Gewinner ist und bleibt der Staat, würden, hätten oder könnten sie die geleisteten Beiträge, und das sind ja nicht nur ihre, sondern auch die des Arbeitgebers, privat einzahlen, wäre die Rendite insgesamt und auch in diesen Zeiten höher als die des Staates, wo es quasi gar keine Rendite mehr gibt. Es gilt Stand heute aber noch teilweise der Satz von Norbert Blüm: Die Rente ist sicher.

Ja, Herr Blüm, aber in welcher Höhe. Denn verkennen wir nicht, das die Nettorente gegenüber Blüms Zeiten mehr als halbiert worden ist. Da braucht sich also keiner wundern, das die Aufstocker immer mehr werden und so dumme Sprüche wie: Sie haben ja nur Teilzeit gearbeitet, sie haben eben nicht lange genug eingezahlt überflüssig sind. Die Rentenprobleme sind staatsgemacht, das muß jeden klar sein. Noch ein paar fröhliche Arbeitsjahre.

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