Dienstag, 06.12.2022 16:25 Uhr

Gedanken zum Matthäus Evangelium

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 28.09.2022, 09:12 Uhr
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Wien [ENA] Was früher noch undenkbar gewesen wäre, ist heute durch die textkritische Forschung der heiligen Schriften der christlichen Evangelien möglich geworden und erlaubt eine Auseinandersetzung mit fast zweitausend Jahre alten Schriften, die in ihrer historischen Relevanz, aber auch inhaltlichen Komplexität oft erschreckende Paradoxe von Verheißung und Verdammnis darstellen.

In der Fülle an unglaublichen Wunderheilungen wird das alttestamentarische prophetische Genre weiterentwickelt und damit werden die frühen Aufzeichnungen über das Leben Jesu nach der Zerstörung des Tempels von Jerusalem 70 n. Chr. auch Erbe eines der wichtigsten religiösen Traditionen der Antike. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich in der Textauslegung der vorhandenen Überlieferungen schon bald erbitterte Richtungskämpfe zeigten, ein Vorgang der Jahrhunderte andauern sollte und oft von einer gnadenlosen Strenge gekennzeichnet war. Aber immerhin stand die Legitimation der christlichen Kirchen auf dem Spiel und damit angeblich der Glaube überhaupt, der für so viele der Anker im Wirrwarr des Lebens wurde.

Nach dem Religionswissenschaftler Ulrich Luz besteht in der historisch-kritischen Exegese ein weitgehender Konsens, dass der Verfasser des Matthäus Evangelium namentlich nicht bekannt sei, denn die altkirchliche Papias-Noziz sei der Wunsch das Werk einem Apostel zuzuschreiben. Vielmehr wurde der anonyme Autor als judenchristlicher Gemeindeleiter charakterisiert, der wahrscheinlich eine palästinisch-jüdische Schriftgelehrten Ausbildung erhalten hatte. Auch hat das Matthäus Evangelium viele frühe Schriften der Spätantike beeinflusst, aber gleichzeitig zu einem gewissen Grad dem matthäischen Antijudaismus Vorschub geleistet, der in der Dramatisierung der Geschehnisse um das Leben Jesu den Pharisäern keine Legitimation zugestand.

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