Mittwoch, 15.08.2018 01:55 Uhr

Cannes 2018: Filmkritik zu DONBASS von Sergei Loznitsas

Verantwortlicher Autor: Lukas Humpe Cannes, 16.05.2018, 17:36 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5526x gelesen
DONBASS von Sergei Loznitsa
DONBASS von Sergei Loznitsa  Bild: Pressematerial von Filmfestival in Cannes

Cannes [ENA] Filmfestspiele in Cannes: DONBASS zeigt schöne Bilder, aber nur wenig menschliche Wärme. Sergei Loznitsas' Film erzählt eine dramatische Geschichte aus der östlichen Ukraine. Der Krieg im Osten der Ukraine macht seit 2014 Schlagzeilen auf der ganzen Welt.

Die ukrainische Regierung misst sich mit russischen Separatisten, die Putin verehren. Regisseur und Drehbuchautor Sergei Loznitsa zeigt in seinem Film die blutige Realität, welche nur selten durch die politische Front in den Medien schafft. Gerade zu Zeiten Trumps - in den die zwielichtigen Beziehungen zwischen der Ukraine und dem amerikanischen Präsidenten von den eigentlichen Problemen ablenkt ist das Werk von Sergei Loznitsa besonders relevant. Der Film erinnert einen daran, dass man in den Medien nur eine Seite der Medaille zu Gesicht bekommt. Die Wirklichkeit ist manchmal viel düsterer als man denkt.

DONBASS beeindruckt mit ästhetischen Filmaufnahmen und toller Regiearbeit. Leider kommen die Charaktere voller Landschaftsaufnahmen und lokaler Atmosphäre etwas kurz. Für Zuseher, die sich nicht mit der Situation auf der Krim verbunden fühlen, kommt nur wenig Empathie rüber. Die Erzählweise von Loznitsa ist trocken und wird wohl nur Randgruppen erreichen. Viel weiter als die Ränge eines Festivals wird es der Film leider nicht bringen - dafür fehlt es DONBASS an Dynamik, Gefühl und Erreichbarkeit der Massen.

Es gibt keinen Haupt-Protagonist mit dem der Zuseher sich einfühlen kann. Der Film reiht stattdessen Szenen aneinander, die wie eine runde Kette dort aufhört wo sie anfängt. Ohne klare Synopsis macht es Loznitsa dem Zuseher schwer 'einzutauchen'. Doch vielleicht bringt DONBASS genau das, was die Menschen auf der Krim jeden Tag erfahren. Chaos, Unvorhersehbarkeit und Terror. Manchmal wird eine Szene durch eine Bombe unterbrochen, die alle bekannten Charaktere auf einmal auslöscht und Platz für neue schafft.

Regisseur/ Drehbuchautor: Sergei Loznitsa Produktion: A Ma.ja.de. Fiction in association with Arthouse Traffic, JBA Production, Graniet Film, Wild at Art, Digital Cube in co-production with Atoms & Void Cast: Tamara Yatsenko, Liudmila Smorodina, Olesya Zhurakovskaya, Boris Kamorzin, Sergei Russkin, Petro Panchuk, Irina Plesnyaeva, Zhanna Lubgane, Vadim Dobuvsky, Alexander Zamurayev, Gerogy Deliev, Valeriu Andriuta

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.