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Classic Days 2022: Tausche Schloss gegen Parkplatz

Verantwortlicher Autor: Erich Hein Düsseldorf, 17.08.2022, 17:12 Uhr
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Classic Days
Classic Days  Bild: Erich Hein

Düsseldorf [ENA] Lange habe ich überlegt, was ich Ihnen von den Classic Days am neuen Standort in Düsseldorf im „Green Park“ berichten soll. Ich wollte so objektiv wie möglich sein, um, ja um den Veranstalter in dieser schwierigen Zeit des Umbruches gerecht zu werden.

Es fällt aber schwer, wenn man die Jahre auf Schloss Dyk Revue passieren lässt. Eins vorweg, man hat sich unendlich viel Mühe gegeben, den Classic Days im „Green Park“ im Sinne von Schloss Dyk zu gestalten. Dieses Konzept ist bei vielen Besuchern nicht wirklich angekommen. Daran änderte auch die gute Verkehrsanbindung nichts, die im Vorfeld angepriesen wurde. Das 45.000 Quadratmeter große Parkareal der Messe Düsseldorf machte die Veranstaltung zwar überschaubarer und kompakter, aber das Flair der Einzigartigkeit viel dadurch komplett weg.

Daran konnte auch der etwas zwei Kilometer lange Rundkurs, der mich eher an eine Kart-Bahn erinnerte, nichts ändern. Obwohl, im Vergleich zu Schloss Dyk hatte man hier einen tollen Blick auf den Kurs und das von fast allen Seiten. Das eigentliche Festivalgelände war in fünf Teilflächen aufgegliedert. Grünfläche und Bäume waren zwar genügend vorhanden, aber ein in sich ruhendes Schloss mit einer Orangerie und einen lauschigen Innenhof mit altem Gemäuer konnte man nicht nach Düsseldorf beamen. Das merkte man auch an der Geräuschkulisse.

Nahe am Flughafen Düsseldorf, war es normal, dass die Flugzeuge im Landeanflug nicht übersehen und auch nicht überhört werden konnte. In den Themenbereichen wurde vieles was man von Schloss Dyk kannte beibehalten, wie das Fahrerlager oder die Sonderschauen. Sogar „Oma Janssen`s“ liebenswert hergerichtete Büdchen war auch mit umgezogen. Auf den ausgewiesenen Picknickflächen fühlten man sich als eingefleischter Picknickgast eher wie auf einem Parkplatz, wartend das Aldi und Co öffnen. Daran konnte auch der Picknickkorb und der Champagne leider nichts ändern.

Es fehlte einfach das Ambiente um sich wohl zu fühlen. Neu, und so richtig gelungen war der „Car Walk“ in Anlehnung an den „Catwalk“ den man von Modeschauen her kennt. Hier konnte, wer wollte seinen Oldtimer vorführen und in gekonnter Manier kommentieren lassen. Anschließend durfte man noch eine kleine Runde über den Parkplatz fahren. Hatte den Fahrern und Besuchern sichtlich Spaß gemacht. Direkt am Eingang feierte man den 50. Geburtstag vom Volkswagen 412. Etliche Fahrzeuge waren zugegen, darunter der Prototyp eines 412 LS Pick-up. Bei Mercedes-Benz zeigte man unter anderem „die Gurke“ den SSKL-Stromlinien-Rennwagen, mit dem Manfred von Brauchitsch 1932 die Avus in Berlin unsicher machte. Leider nur ein Nachbau.

Daneben ein Mercedes Simplex 40 PS von 1902, jedoch nur eine futuristische „Vision Simplex“ von 2019- wahrlich ein schöne Kontrast. Zu den „Racing Legend“ und zum Fahrerlager gelang man, in Anlehnung an das legendäre Goodwood, über zwei Fußgängerbrücken. Dort traf man nicht nur die Rennfahrer- Prominenz, wie Derek Bell, Jochen Mass oder Kurt Ahrens auch interessante Fahrzeuge wie einen Volpi-Cadillac V-16, die „Neander-Fahrmaschine“ des Ernst-Neumann-Neander oder die Replik des propellergetriebenen Autos Leyat Hèlica waren für die Besucher total interessant Das war richtig gut gemacht.

Wer sich jedoch auf die Ausstellung „Masterpiesces“ freute, dieses Jahr ohne Preisverleihung, musste schon genau schauen um diese auf der ausgewiesenen Fläche ausfindig zu machen. Die Präsentation ging wirklich total in die Hose. Die wenigen Fahrzeuge wirkten um nicht zu sagen lieblos platziert und damit ihrem Stand unangemessen, erklärende Schilder fehlten. Schade, den zwei Oldtimer von Jensen, einer Rekonstruktion des Porsche Typ 64 Berlin-Rom-Wagen oder der goldfarbene Peerless GT hätten besseres verdient. Da ist dringend Handlungsbedarf gegeben.

Im Gegenteil dazu waren die „Stars and Stripes“ mit ihren typischen großen amerikanischen Straßenkreuzern, deren Farben mit der Sonne um die Wette strahlten ein echtes High Light. Cadillac, Chevrolet, Dodge Viper oder ein Pontiac Torpedo machten einfach nur gute Laune. Diese blieb auch beim DeLorean-Treffen auf der gegenüberliegenden Seite bestehen. Hier tummelten sich rund 30 Exemplare des Flügeltürers, die sich auch auf dem Rundkurs vergnügten und sichtlich Spaß hatten. Immerhin etwas Flair vergangener Zeit.

Selbstverständlich waren auch diverse Markenclubs vor Ort. So mancher trauerte um das frühere „Miscanthusfeld“, aber trotz allem ist immer wieder schön gleich mehrere Exemplare eines Autotyps zu sehen – egal ob es sich um Jaguar, Fiat Alfa Romeo, BMW oder Mercedes-Benz handelt. Wir alle wissen, dass es schwer ist, dass, was man über Jahre schätzt einer Veränderung zu unterziehen und etwas Neues zu kreieren. Bei den Classic Days im „Green Park“ in Düsseldorf versuchte man althergebrachtes mit neuem zu verbinden. Gelungen? – entscheiden Sie selbst.

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